Ansprache des Botschafters anlässlich des Nationalfeiertages der Republik Lettland

02.12.2014. 19:09

Sehr geehrte Bundestagsabgeordnete, Exzellenzen, meine Damen und Herren! Liebe Freunde!

Ich freue mich sehr, dass Sie heute so zahlreich gekommen sind und wir in einer angenehmen Atmosphäre den Nationalfeiertag Lettlands begehen können.

Ein besonderer Dank gilt der Landesvertretung Baden Württemberg, dass wir unseren Nationalfeiertag in diesen schönen Räumlichkeiten begehen dürfen.

Noch bevor wir uns dafür entschieden haben, den Nationalfeiertag in diesen Räumlichkeiten zu begehen, haben wir uns gefragt, was verbindet Lettland, ein relativ kleines Land im Nordosten Europas, und das Bundesland Baden-Württemberg. 

Ich muss gestehen, es gibt genügend Gemeinsamkeiten. Dank des offenen und globalen Weltmarktes, der modernen Technologien und des EU-Binnenmarktes, findet die in Baden-Württemberg hergestellte hochqualitative Produktion eine breite Anwendung in Lettland und umgekehrt. Damit meine ich nicht nur die wundervollen Werke der Automobilhersteller, die auf den Straßen Lettlands unterwegs sind, sondern auch die Lieferungen lettischer Hersteller an die deutsche Maschinenbau-Industrie. 

Meine Damen und Herren,

dieses Jahr ist für Lettland und Deutschland von besonderer Bedeutung. Vor 20 Jahren haben Lettland und Deutschland die diplomatischen Beziehungen wieder aufgenommen. Außerdem hat Lettland vor 20 Jahren nicht nur seine Unabhängigkeit zurückgewonnen, sondern kehrte endlich nach 50 langen Jahren der sowjetischen Herrschaft nach Europa zurück. Im Leben eines Menschen sind 20 Jahre ziemlich viel. Für die Geschichte eines Landes allerdings sind 20 Jahre nur der Anfang.

In den vergangenen Jahren wurde Lettland von der Wirtschaftskrise hart getroffen. Nicht nur die Ereignisse auf den globalen Märkten, sondern auch die bisher umgesetzte nationale Wirtschaftspolitik waren der Auslöser.

Heute können wir mit Freude feststellen, dass Dank der teilweise schmerzhaften Maßnahmen Lettland auf dem besten Weg ist, die Krise endgültig hinter sich zu lassen. In der Wirtschaft wurden strukturelle Änderungen vorgenommen, denn der Schlüssel zum Erfolg heißt Herstellung und Export, statt Spekulationen auf den Finanzmärkten oder mit Immobilien. Hoffen wir, dass diese Erkenntnis sich langfristig in unsere Gesellschaft verankern wird.

Bei Gesprächen mit meinen Landsleuten habe ich ein Paradox festgestellt – derzeit sind sie eher über die aktuellen Ereignisse in Europa, und weniger über die Lage in Lettland, besorgt. Man fragt sich - wie wird sich die Wirtschaft weiterentwickeln? Was wird aus der gemeinsamen Währung – dem Euro? Wird er seine Stabilität bewahren? Werden die von der Krise betroffenen Länder einen Weg aus der Schuldenlast finden? Wie wird die Zukunft des EU-Haushaltes aussehen? Und vor Allem – welchen Einfluss werden diese Faktoren auf unser Leben und den Wohlstand unserer Kinder haben?

Auf alle diese Fragen hat keiner sofortige Antworten. Denn die Regierungen Europas haben noch viele Herausforderungen und wichtige Entscheidungen vor sich. Vor allem ist es von großer Bedeutung, dass Europa in dieser angespannten Lage die Einigkeit und das Solidaritätsgefühl nicht verlieren. Wir alle verbinden damit große Hoffnungen.

Doch Eines ist klar – bei den Reformen dürfen wir nicht zu kurzfristig denken. Nachhaltige Tendenzen müssen siegen. Das wichtigste in jeder Situation ist es, immer nach vorne zu schauen – nicht nur auf persönlicher, sondern vor allem auf gesellschaftlicher Ebene.

Hierzu möchte ich nur ein Beispiel langfristiger Pläne für die Region Baltikum nennen. Das heißt Rail Baltica – die geplante Eisenbahnverbindung, die Helsinki, Tallin, Riga, Kaunas, Warschau und Berlin verbinden soll. An diesem Projekt arbeiten die Baltischen Länder seit längerer Zeit und dieses Projekt ist als Priorität der Transeuropäischen Netze geplant. Dieses Zukunftsprojekt wird neue Möglichkeiten bieten und das Leben Menschen positiv verändern.

Abschließend möchte ich zusammenfassen: Im Moment braucht Europa drei Säulen: innere Einigkeit, mutige politische Führung und eine Zukunftsperspektive, die eine Grundlage für die wirtschaftliche Weiterentwicklung bildet und eine nachhaltige Perspektive sichert. Diese Entwicklung wünsche ich uns allen!

In diesem Sinne gratuliere ich Ihnen zum lettischen Nationalfeiertag und wünsche einen angenehmen Abend! Für die musikalische Umrahmung bedanke ich mich bei Frau Agita Rando und ihrem Jazz Trio.

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

Gott segne Lettland!

Dievs svētī Latviju!

Ilgvars Kļava

Außerordentlicher und bevollmächtigter Botschafter der Republik Lettland
in der Bundesrepublik Deutschland

18.November 2011